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Mein Leben mit COPD

Ich bin 1975 im Luzerner Hinterland als drittes Kind eines Bäckermeisters geboren. Schon mit 14 Jahren fing ich an zu rauchen, damals war es halt cool, sich so von der Masse abzuheben. Nach meiner obligatorischen Schulzeit absolvierte ich eine 3 Jährige Lehre als Konditor-Confiseur. Es war nicht mein Traumberuf, meine Eltern haben mich auch nie dazu gedrängt oder gar gezwungen. Jedoch sagten viele unserer Kunden immer wieder, ich würde wohl den elterlichen Betrieb einmal übernehmen. Und so wurde ich wie von unseren Kunden in diesen Beruf gedrängt. Während der Lehrzeit wollte ich mehrmals die Lehre abbrechen, entschied mich aber schlussendlich dazu, es durch zu ziehen, um wenigstens einen Abschluss zu machen. 

Was ich damals nicht wusste und auch nicht bemerkte, auch damals hatte ich wohl schon Probleme mit Asthma bekommen. Zum Teil durch das Rauchen, aber auch durch den Mehlstaub. 

Symptome gab es damals noch keine, ich trieb Sport, war im Turnverein, war immer viel an der frischen Luft unterwegs. 

Nach meiner Lehre ging es darum, ob ich in den elterlichen Betrieb einsteige oder nicht. Meine Schwester, gelernte Bäcker-Konditorin, hatte gerade die Meisterprüfung absolviert und war Feuer und Flamme den Betrieb zu übernehmen. So gab ich Ihr den Vortritt und entschied mich, mich anderweitig zu orientieren. 

Mit 21 Jahren habe ich meinen damaligen, ersten Freund kennengelernt. Schnell zog ich bei ihm ein und arbeitete in verschiedenen Positionen und Berufen. Magazin, Verkauf, auch bei meinem Freund im Spenglerei Betrieb als Handlanger. Dort machte ich mit ihm zusammen Flachdächer und kam so in Kontakt mit Schwarzdächern, also Dächer mit Bitumen abgedichtet. Diese Bitumen wurde heiss verarbeitet und heute muss ich sagen, dass auch das für meine Lunge nicht gerade förderlich war. 

Aber auch das Rauchen war leider immer ein Thema. Auch später, als ich in der IT Fuss fasste, blieb der Griff zur Zigarette leider nie aus. Durch den Druck und den Stress war bezüglich dem Rauchen schon längst nicht mehr von “unter Kontrolle” die Rede. Es gab Tage, da rauchte ich bis zu 2 Päckli pro Tag! 

Es kam wie es kommen musste, ich bekam ein Burnout und in diesem Zusammenhang wurde bei den Abklärungen nach einer starken Grippe das erste Mal COPD diagnostiziert. Das war 2019. 

Vom Burnout erholte ich mich langsam, meiner Atmung ging es aber schnell besser. So war das Rauchen auf zu hören für mich wieder nicht mehr so akut. 

Ich kam nach Crans Montana zur Reha, versuchte zwar mit dem Rauchen aufzuhören, konnte es aber nicht durchziehen. 

Nach meiner Reha musste ich eine Veränderung in mein Leben bringen. Beruflich etwas kürzer treten, einen ruhigeren Job machen. 

Ich entdeckte für mich das Bus fahren. Ok, man könnte denken, dass dies auch mit Stress verbunden ist. Jedoch ist dies nur bedingt der Fall. Man muss es abgrenzen können, ich hatte geregelte Zeiten. Wusste genau wann ich den Bus übernehmen resp. wieder abgeben musste. Es lief hervorragend, ich stieg als Quereinsteiger über die Trolley Ausbildung ein, machte später die Umschulung auf Car/Dieselbusse und konnte so meinen Wirkungsgrad erweitern und mir so auch mehr Abwechslung gönnen. 

Auch da war leider das Rauchen immer noch ein Thema. An der Endstation mit 8 Minuten Aufenthalt drängte sich eine Zigarette förmlich auf. 

Man kann jetzt denken “Hör doch einfach auf!” Leichter gesagt als getan! Mehrmals versuchte ich auf zu hören, verschiedene Methoden hatte ich versucht und ausprobiert. 

Kaugummi, Pflaster, Hypnose usw. Alles half nichts, ich wurde immer wieder rückfällig. 

Hätte ich mit 14 Jahren gewusst, was ich mir mit dem "Cool sein” antun würde, ich hätte mich dafür geohrfeigt! 

Im Sommer 2025 kam dann der Paukenschlag! Ich hatte eine heftige COPD-Exazerbation. Für alle, die nicht wissen, was das ist, eine Exazerbation ist eine massive Verschlechterung des Krankheitsverlaufs. Was sonst Monate, gar Jahre dauert, geschieht innerhalb von Tagen! Ich landete in der Notaufnahme mit starker Atemnot, konnte mich kaum noch bewegen. Heute weiss ich, dass ich schon zuvor mehrere kleinere Exazerbationen hatte, diese aber immer als Erkältung abgetan habe. 

Auch damals verschlechterte sich mein Gesundheitszustand immer ein bisschen mehr. 

Nach dieser heftigen Exazerbation war nichts mehr wie es war. Ich war lange krank geschrieben und mir wurde auch bewusst, dass ich so nicht mehr als Chauffeur tätig sein kann. Aber was kann ich denn überhaupt noch machen? Kaum bewege ich mich, brauche ich Pausen, muss anhalten und durchatmen, noch schlimmer, wenn es bergauf geht! Ich hatte am Anfang Panik, überhaupt noch aus dem Haus zu gehen! Was, wenn ich eine Atemnot bekomme? Wer kann mir dann helfen? Ja ich hatte meinen Spray, das gab aber nur eine kleine Sicherheit. Ich hatte auch meine Atemtechniken, auch das gab eine kleine Sicherheit. Wenn es mir aber schlecht geht, habe ich die Ängste heute noch! Heute habe ich zusätzlich eine kleine Sauerstoffmaschine, die ich mitnehmen kann. Auch das bringt etwas Sicherheit.

Aber es sind auch alltägliche Dinge, die mir an schlechten Tagen sehr schwer fallen. Duschen, anziehen, essen, Haushalt machen, einkaufen, Behördengänge usw 

Meine Hobbys E-Bike und Motorrad fahren, beides undenkbar geworden! 

Aufgeben ist aber dennoch keine Option! Ich nehme jeden Tag als ein Geschenk und mache das Beste daraus. Mal gelingt es mir gut, mal weniger gut. Ich muss alles viel langsamer angehen, darf mich selber nicht überfordern, muss aber dennoch für mein Recht einstehen. 

 

Ich widme mich mehr meinem Hobby, das Filme machen… ein paar davon sind hier auf der Homepage gezeigt.

Luzerner Zeitung
Ausgabe vom 9. Juli 2026

LuzZeitung 9. Juli 2026.jpg

Seit Dezember 2025 läuft meine Anmeldung bei der IV Luzern. Leider bis heute ohne Entscheid, wie vermutet verläuft das ganze sehr schleppend und Kräfte zehrend. Aktuell finanziere ich mich durch erspartes, respektive brauche ich bereits meine Altersvorsorge an. Nein, das ist nicht Sinn und Zweck, jedoch bleibt mir keine andere Möglichkeit bis endlich ein Entscheid der IV gefällt wird.

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